
„Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert.“ Tancredi sagt diesen berühmten Satz in Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman Der Leopard. Er könnte als Motto über dem ganzen Werk stehen.
Ich bin froh, dass ich ihn endlich gelesen habe. Seit Jahren ist er mir immer wieder empfohlen worden. Von ganz unterschiedlichen Menschen.
Was macht den Roman so bedeutsam und so aktuell? Schon in den 1960er Jahren, als die Verfilmung von Luchino Visconti zum Ereignis wurde, drückte Der Leopard die Atmosphäre des radikalen Wandels aus, die damals in der Luft lag.
Heute spüren wir einen ähnlich radikalen Wandel. Gewaltige Umbrüche. Technologisch, geopolitisch, kulturell. Das alte Europa, es scheint erneut zu sterben.
Aber stimmt das?
Ich möchte mich keinem Fatalismus hingeben. Keiner gepflegten Untergangsstimmung. Ich misstraue den revolutionären Kräften genauso wie den Feinden der liberalen Demokratie.
Vielleicht braucht Europa mehr Vertrauen in seine Traditionen, Christentum, Judentum und Aufklärung. Vielleicht auch die Melancholie Don Fabrizios. Ohne Würde und List lässt sich den Gegnern der Gegenwart nicht angemessen begegnen.
Text: mee