Autor: Stefan Meetschen
-

Gewaltige Umbrüche
„Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert.“ Tancredi sagt diesen berühmten Satz in Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman Der Leopard. Er könnte als Motto über dem ganzen Werk stehen. Ich bin froh, dass ich ihn endlich gelesen habe. Seit Jahren ist er mir immer wieder…
-

Buchpremiere an der Ostsee
5. Juni 2026: Das war eine wunderbare Premiere von „Das Mädchen in Blau“ im Edvard-Munch-Haus in Warnemünde. Ein aufmerksames Publikum, ein sehr gründlich vorbereiteter Moderator. Stephan Dierichs hatte nicht nur den neuen Roman gelesen, sondern auch die drei Vorgängerwerke. Dafür bin ich sehr dankbar. Mein Dank gilt auch dem früheren Umweltsenator der Stadt Rostock, Holger…
-

Rostock-Warschau
Seit Anfang des Jahres lebe ich in Rostock. Die Wohnung, die wir mieten, befindet sich in Warnemünde. Sie ist ungefähr 500 Meter vom Strand entfernt. Viele Zufälle haben uns hierhin geführt. Vieles gefällt mir. Wenn es mir auch nicht leicht fällt, plötzlich so weit von Warschau entfernt zu sein. Wenigstens einmal im Monat statten wir…
-

Mittelzeit
Wir gehen durch den Park. Unter uns knirscht der Schnee. Ein Winter, so kalt, dass wir uns lange zurückträumen müssen, um uns an ähnliche Kälte zu erinnern. Wie lange sind wir schon unterwegs? Zusammen, getrennt, zusammen. Wie oft schon verloren wir unsere Spuren und fanden doch wieder zusammen. Ohne dass wir es wussten. Ich sehe…
-

Der Geruch der Schwelle
Als wir aus dem Bus stiegen, war es dunkel. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte während der Fahrt: ein Kurort in den Bergen, nah an der Grenze zur Slowakei. Populär, aber nicht Zakopane. Wir mussten ein paar Schleichwege nehmen, bis wir zu dem Holzhaus auf der Anhöhe kamen. Ich wusste sofort, dass ich hier…
-

Wieder Weihnachten
Wieder steht Weihnachten vor der Tür, wieder klopft ein neues Jahr an. Je älter man wird, desto besonderer werden diese Tage. Weiß ich denn, wie oft ich diese Rituale noch miterleben werde? Der Tod hämmert in diesen Zeiten lauter an die Tür. Das Sterben in der Ukraine und in anderen Kriegsgebieten weht immer brutaler zu…
-

Innere Wende
Anfang der 2000er Jahre traf ich im Supermarkt am Bahnhof Friedrichstraße Günter Schabowski. Er stand vor mir an der Kasse und wartete. „Wie geht’s Ihnen?“, fragte ich den Mann, der am 9. November 1989 mit wenigen, unsicheren Worten die DDR zum Überlaufen gebracht hatte. „Danke, gut“, antwortete er. Ob wir uns zu einem Interview treffen…
-

Zwischenbilanz
Erinnerst Du Dich an die alten, klapprigen Busse, mit denen wir aufs Land fuhren oder auf Reisen gingen? Erinnerst Du Dich an die dunklen Zugabteile? Ich erinnere mich an den Mann, den Du „goldene Hand“ nanntest – er baute uns den Tisch zusammen, doch ein Nagel verrutschte ihm. Wir legten sonntags mehr Geld in die…
-

Herzensgruft
Wien. Was sind das für Bilder? Strudelhofstiege, Freud-Museum, Kahlenberg. Doch von unseren Wegen durch die Stadt gibt es keine Aufnahmen. Der Weg hinunter in die Gruft der Hasbsburger. Kühl war es dort. Der Anblick Deines Bildes schneidet mir ins Herz. Eine junge, schöne Frau. Die Wege haben sich getrennt. Hier ein Winken der Freude über…
-

Ein Halt bei Steiner
In meiner Erinnerung ist die Stadt weiß. Warum eigentlich? Wir legten einen Zwischenstopp zwischen Wien und Warschau ein. Auf der Ventúrska entdeckten wir eine Buchhandlung und eine Gedenktafel – Antikvariát Steiner. Hebräische Buchstaben. Die Holztür der Buchhandlung stand offen. Drinnen waren Regale mit alten Drucken. Warum auch nicht? Weil nichts selbstverständlich ist, nach allem, was…