Der Geruch der Schwelle

Foto: mee

Als wir aus dem Bus stiegen, war es dunkel. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte während der Fahrt: ein Kurort in den Bergen, nah an der Grenze zur Slowakei. Populär, aber nicht Zakopane. Wir mussten ein paar Schleichwege nehmen, bis wir zu dem Holzhaus auf der Anhöhe kamen. Ich wusste sofort, dass ich hier würde schreiben können. Aber ich ahnte noch nicht, dass Du den Verlobungsring in den Bach schleudern würdest. 

In dem Haus, zu dem wir ein paar Tage später gingen, wurde eine Messe gefeiert – ich fühlte mich wie in einer Untergrundkirche. Gab es noch Kommunisten, die uns im Verborgenen beobachteten? Die Söhne und Töchter der Spitzel von einst?

Tagsüber gingen wir immer den gleichen Weg. Trinkhalle, Nikifor-Museum und zurück. Irgendwo gab es Souvenirs. Als wir den Berg bestiegen, sahen wir die Projekttafeln für Neubauten. 

Vor dem alten Kurhaus saß ein Opernsänger, der Autogramme gab.

Ich schrieb und kam voran. Einen Busausflug nach Zakopane konnten wir uns nicht leisten.

Es gab dort auch eine Sesselbahn. Familien mit Kindern. Fröhlich, schlicht. Ich spürte, dass nicht nur wir zu einem Sprung ansetzten. Dein Land befand sich in diesem Zustand. Das Alte war noch nicht ganz abgelegt, doch etwas Neues würde kommmen. Eine neue Zeit.

Ich glaubte fest daran. Und ich war froh, mein Herkunftsland hinter mir gelassen zu haben. Endlich. Sogar der postkommunistische Geruch in manchen Läden, auf manchen Hausfassaden gefiel mir.

Heute riecht es in Krynica bestimmt anders. Die neuen Hotels sind längst gebaut worden. Internationale Geschäftsleute treffen sich. Aus Nachtclubs dröhnt Musik. 

Was mir bleibt, ist der Geruch der Schwelle. 

Text: mee

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