Der Geruch der Schwelle

Foto: mee

Es war dunkel, als wir aus dem Bus stiegen. Ich weiß nicht, was ich während der langen Fahrt erwartet hatte. Eine Stadt – nicht Zakopane, aber doch schon nah an den Bergen. Wir nahmen ein paar Schleichwege zu einem Hang hinauf, an dem sich das Holzhaus befand. Treppen, Tore, ein Garten im Licht einer Laterne. Ich wusste sofort, dass ich hier würde schreiben können. Aber ich wusste nicht, dass du deinen Verlobungsring in den Bach werfen würdest. Oder war das bei einem späteren Besuch?

Auf Umwegen kamen wir zu einem Haus, in dem ein Gottesdienst gefeiert wurde, und ich fühlte mich wie in einer Untergrundkirche, als lauerten überall im Dunkeln die Kommunisten und machten sich Notizen über uns. Tagsüber gingen wir die Allee entlang. Vorbei an der Trinkhalle, weiter zum Nikifor-Museum in der Willa Romanówka. Irgendwo gab es Souvenirs, und als wir den Berg zum ersten Mal bestiegen, sahen wir die Pläne für Hotelbauten. Aufbruch, Erneuerung.

Ich erinnere mich auch an den Opernsänger, der im Alten Kurhaus auftrat und Autogramme geben musste. So verbrachten wir die Tage, und ich schrieb und kam voran. Einmal überlegten wir, mit dem Bus einen Ausflug zu machen. In die Slowakei oder doch nach Zakopane. Wir taten es nicht, um Geld zu sparen.

Später einmal, als wir mit dem Wagen nach Krynica-Zdrój anreisten, fuhren wir durch die schlichten Straßenzüge hinter dem Holzhaus. Es war alles sehr einfach, und ich glaubte an die Würde des Autors, der ein Buch schreibt, das ausstrahlt. Still und kräftig, weil es so zur Welt kommt – aus der Sammlung des Geistes.

Zur selben Zeit wurde über Ryszard Kapuściński diskutiert. Über den fiktionalen Charakter seiner Reportagen, über seine Nähe zur Macht, über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Geheimpolizei. Ich nahm das zur Kenntnis, ohne zu wissen, was ich damit anfangen sollte. Vielleicht, dachte ich, gehört auch das zur Schwelle: dass Gewissheiten brüchig werden, an denen man sich lange festgehalten hat.

Es gab dort auch eine Art Sesselbahn, wenn ich mich richtig erinnere. Familien mit Kindern, aber auch viele ältere Menschen. Dein Land stand damals tatsächlich an der Schwelle. Es setzte zum großen Sprung an, und ich spürte es. Weil ich mitspringen wollte? Ich war einfach froh, weg zu sein. Neues zu sehen, zu entdecken. Alles war aufregend. Günstiger und liebevoller als in dem Land, das ich kannte. Freier. Dass es an manchen Stellen noch nach Kommunismus roch, faszinierte mich.

Heute riecht es dort anders. Internationale Wirtschaftsforen finden statt, die neuen Hotels sind fertig und drängeln sich weiter durch die Landschaft. Irgendwo draußen waren orthodoxe Holzkirchen. Den Rest habe ich vergessen. Oder auch nicht.

Text: mee

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