
Wieder steht Weihnachten vor der Tür, wieder klopft ein neues Jahr an. Je älter man wird, desto besonderer werden diese Tage. Weiß ich denn, wie oft ich diese Rituale noch miterleben werde?
Der Tod hämmert in diesen Zeiten lauter an die Tür. Das Sterben in der Ukraine und in anderen Kriegsgebieten weht immer brutaler zu uns herüber, während Politiker umso zynischer über Lösungen verhandeln. Freunde sterben – und beim Blick in ihre tiefen Gräber summe ich leise das Lied von der Erde, die auch mich eines Tages umarmen wird. Ohne Ausgang, ohne Licht.
Ist Weihnachten deshalb ein solcher Balsam für unsere wirklichkeitsgeschundenen Seelen? Mit diesem Fest und seinem christlichen Kern konnte ich nie viel anfangen. Doch die Vorstellung, dass ein neugeborenes Kind Hoffnung schenkt, scheint in der DNA aller Kulturen und Religionen eingeschrieben zu sein.
Wir brauchen Zuversicht – so dringend wie Sauerstoff zum Atmen. Gerade jetzt, da wir spüren, wie viele Fassaden brüchig werden oder bereits einstürzen.
Ich habe keine Antworten. Ich kann nur fragen – und versuchen, dem Leben, dem neuen Leben, mit Staunen und Menschlichkeit zu begegnen.
Text: mee