Mittelzeit

Foto: mee

Wir gehen durch den Park. Unter uns knirscht der Schnee. Ein Winter, so kalt, dass wir uns lange zurückträumen müssen, um uns an ähnliche Kälte zu erinnern. Wie lange sind wir schon unterwegs? Zusammen, getrennt, zusammen. Wie oft schon verloren wir unsere Spuren und fanden doch wieder zusammen. Ohne dass wir es wussten.

Ich sehe Deinen Atem.

Ich spüre den Druck Deiner Hände.

Schritt für Schritt.

Warum sollten wir zurückschauen? Warum die Spuren betrachten, die hinter uns liegen? Nichts lässt sich festhalten.

Sätze, die wir zu Ende denken, verlieren sich eines Tages doch in Weiß. 

Dann lieber schweigen und nach vorne schauen – über den zugefrorenen See gehen, der uns trägt, wie die Sprachen, mit denen wir uns bewegen. Doch Du sagst nichts, als wäre dies Deine Sprache.

Mittelzeit.

Ich spüre, dass der Boden nachgibt, doch jetzt schneller zu laufen, wäre töricht.

Ich weiß nicht, wie weit der Weg noch ist. Wann ich ankommen werde am Ausgang des Parks. 

Wer weiß das schon. 

Ein Kind stürzt, lacht und steht wieder auf. Ich bin die längste Strecke schon gegangen. Es beginnt zu schneien.

Ich sehe Deinen Atem.

Ich spüre den Druck Deiner Hände.

Schritt für Schritt.

Die Bäume sehen aus wie Skelette. Die Kinder sausen auf Schlitten umher. Den Hügel hinab, den Hügel hinauf. Ein großes Bruegel-Gemälde. Vor unseren Augen.

Einst bin auch ich ein Kind gewesen. Nun bin ich zwanzig, dreißig Jahre älter als die Väter und Mütter der Kinder.

Wie konnte dies passieren? Wo ist die Zeit? Heruntergerollt wie ein Schnellball. 

Doch Du hältst mich. In diesem Weiß, das mir Angst macht. Schenkst mir ein Gleichgewicht im Schwanken, im Taumeln.

Mittelzeit. Vielleicht.

Text: mee (c)

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