
Ich gehe mit dir durch den Park. Unter unseren Füßen knirscht der Schnee. Es ist kälter. Ein Winter wie ein Winter, der lange schon zurückliegt, zu lange, um sich erinnern zu können. Seit wann sind wir unterwegs? Zusammen, getrennt und wieder zusammen. Wie oft verloren wir unsere Spuren, wie oft kreuzten sich unsere Wege, ohne dass wir es wussten? Ich sehe deinen Atem, spüre den Druck deiner Hand. Schritt für Schritt.
Ich betrachte unsere Spuren nicht mehr rückwärts. Sie verlieren sich im Weiß, wie Sätze, die man nicht zu Ende denkt. Wie Gedanken, die sich nicht festhalten lassen. Der Park schließt sich. Der See ist zugefroren. Du sagst nichts, als wäre dies deine Sprache.
Vielleicht ist dies die Kunst der Mittelzeit: nicht stehen zu bleiben, obwohl der Boden nachgibt, nicht schneller zu laufen, obwohl man weiß, wie kurz der Weg nur noch ist. Ein Kind stürzt, lacht, steht wieder auf. Der Hügel wird flacher. Wir gehen weiter, nicht weil wir ankommen wollen. Irgendwo schneit es über den Spuren, die niemand finden muss. Wir wissen, es gibt sie. Das genügt.
Die Bäume stehen da wie Skelette, Kinder sausen mit ihren Schlitten umher. Schneebälle, Schneemänner. Ein großes Bruegel-Gemälde, in unsere Zeit getragen. Eine Zeit, die reist und nie ankommt. Einst sind wir diese Kinder gewesen, und ich kann nicht glauben, dass die Väter und Mütter auf den Hügeln, neben den Schneemännern, zwanzig, dreißig Jahre jünger sind als ich. Als hätte mein Leben einen Filmriss, als sei alles plötzlich weiß geworden.
Nur du hältst mich in der Balance, zeigst mir, dass man auch ohne Gleichgewicht stehen kann, in diesem Riss.
Text: mee (c)