Autor: Stefan Meetschen
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Fragen und Maximen
Es ist gut, dass in der Bundeskunsthalle in Bonn Immanuel Kant gewürdigt wird. Anlass ist sein 300. Geburtstag im April. Lange Zeit ist der Philosoph aus Königsberg von religiösen Menschen mit Skepsis oder offener Ablehnung behandelt worden, dabei wird in der Ausstellung, die auf digitale Gimmicks verzichtet, sehr deutlich, dass Aufklärung und Metaphysik sich nicht…
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Deutschland-Ticket (II)
Die Tage werden heller und wärmer. Hin und wieder bin ich begleitet von meinem jüngeren Selbst die Schönhauser Allee entlanggegangen oder die Oranienburger Straße zu den Hackeschen Höfen. Viele Gesichter habe ich gesehen, Häuserfassaden, die sich verändert haben, Läden, die hip und austauschbar wirken. Ich war in U-Bahn-Wagons unterwegs, die mir noch schmutziger schienen, als…
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Q – Berichte aus der Quarantäne (Auszug)
Gelesen von Ute Cohen. Ute Cohen lebt als Schriftstellerin und Journalistin in Berlin. Ihre Interviews erscheinen in renommierten Zeitungen und Zeitschriften. Die promovierte Linguistin war viele Jahre in Paris für Unternehmensberatungen und eine internationale Organisation tätig. Romane: Satans Spielfeld (2017), Poor Dogs (2020) und Falscher Garten (2022). Zusammen mit Ingrid Caven erschien im Kampa Verlag…
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Wilhelm
Mein Vater hat einen älteren Halbbruder namens Wilhelm, der uns oft besucht und meiner Mutter einmal eine schöne große, robuste Kerze mit antiken erotischen Szenen schenkt, die im Wohnzimmer einen Ehrenplatz bekommt. Das perfekte Phallus-Symbol. Ich mag ihn, weil man bei ihm Lebenserfahrung, rauen Charme und Cleverness spürt. Auch meine Mutter ist angetan von ihm.…
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Römische Grabplatte
Den Sommer 2006 verbrachte ich in Rom. Der Hype um den ein Jahr zuvor verstorbenen polnischen Papst war immer noch spürbar. Man musste lange warten, um zu seinem Grab in den Grotten des Vatikans zu gelangen. Inzwischen befinden sich seine sterblichen Überreste im Petersdom. Ein Freund von mir, ein bekannter polnischer Historiker und Kirchenexperte, ist…
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Erinnerung an einen Nachmittag im Januar
In meiner Erinnerung gibt es einzelne Momente, in denen ich eine große Klarheit spürte, ein Eins-Seins mit der Welt. Ich weiß nicht, warum es diese Momente gibt, in denen sich die Gegenwart fast unauslöschlich in das Bewusstsein einprägt. Manchmal waren diese Momente mit einem Satz oder einem Bild verknüpft, manchmal still, farblos und doch inspirierend.…
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Plage de Pampelonne 1988
Man sollte sich als Mann sehr genau überlegen, welche Frau man anspricht. Eine solche Begegnung kann, wenn es sich um eine Muse handelt, das Leben verändern.
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Nichts verjährt
„Nichts verjährt“ schrieb ich im Sommer 2023 in meiner Datsche bei Warschau. Nachts, als ich vor innerer Unruhe einfach nicht einschlafen konnte. Ich postete den Text umgehend bei Facebook, stellte mein Smartphone aus und schlief sofort ein. Am nächsten Morgen las ich die freundlichen Kommentare der Leser. Es ist nicht alles schlecht in der Welt…
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Die Blinde
Als Student in Berlin sah ich Anfang der 1990er Jahre den Film „Die Liebenden von Pont Neuf“ . Ich war sehr beeindruckt von dem Plot. Ein paar Wochen später nahm ich meine alte Schreibmaschine zur Hand und tippte die Worte einfach so runter. Ohne nachzudenken, ohne Konzept. Doch ich wusste: es stimmt. Es ist wahr.…
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Hektor
Die Erzählung wurde gelesen von Stephan Dierichs im Studio ‚tongeschichten‘ vom Studiogelände in Potsdam Babelsberg. Stephan Dierichs, geboren 1959 in Weimar, Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspiel Ernst Busch in Ost-Berlin. Zahlreiche Theater- und Film-Engagements. Mehr Infos unter: www.weinlesung.de Anfang 2022 schrieb ich in einem Zug eine Erzählung nieder, die mir einige Jahre im Kopf…