Warschauer Freiheit

Foto: mee

Es ist gut, wieder hier zu sein. Ich bin dankbar für viele Begegnungen in Berlin im vergangenen Jahr. Doch ich habe mich dort nicht mehr wohlgefühlt.

Was mich heute an Polen fesselt, ist nicht mehr die postkommunistische Melancholie, die mich vor 25 Jahren angezogen hat. Heute ist es die Modernität, die Ordnung. Züge, U-Bahnstationen, Straßen – alles wirkt durchdacht und sauber. Kein Vergleich mit deutschen Großstädten, die allmählich verfallen. Immer unsicherer werden.

In Polen spüre hier Freiheit. Nicht im pathetischen Sinne. Im Alltag. Ich kann leben, wie es mir gefällt.

Gleichzeitig sehe ich, dass auch die polnische Gesellschaft auseinanderdriftet: Tusk gegen Kaczyński – der alte Konflikt, der auch die Präsidentschaftswahl überschattet. Möglich, dass nach diesem Dauerkonflikt schlimmere ausbrechen.

Das starke Abschneiden antisemitischer Kräfte macht Angst. Auch mir.

Wie in Deutschland kommt der neue Antisemitismus nicht nur von rechts, sondern auch von links. Zum Teil gut verhüllt in akademischer, moralischer Rhetorik.

Text: mee

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