Autor: Stefan Meetschen

  • Deutschland-Ticket (IX)

    Deutschland-Ticket (IX)

    Treffen mit einem langjährigen Freund in Potsdam. Die Stunden beim Tee verfliegen, während er von seiner Familiengeschichte erzählt. Ein spannender Plot zwischen Ost und West, Theater und Politik, bei dem sich einmal mehr zeigt, wie gefährlich es ist, wenn Werte und Ideale institutionalisiert werden. Seien sie politisch, religiös oder kulturell grundiert. Früher oder später richtet…

  • Deutschland-Ticket (VIII)

    Deutschland-Ticket (VIII)

    Ein Hoch auf die Frauen: da der Weltfrauentag als arbeitsfreier Feiertag in Berlin begangen wird, gönne ich mir eine Fahrt mit dem Berlin-Warszawa-Express in die polnische Hauptstadt. Dass der Hinweg ein bisschen holprig wird, sind die streikenden Männer schuld. Erst um Mitternacht komme ich am Bahnhof Warszawa-Gdańska an. Glücklich, noch eine Strassenbahn zu erwischen, die…

  • Krokodile

    Die Erzählung wurde gelesen von Stephan Dierichs im Studio ‚tongeschichten‘ vom Studiogelände in Potsdam Babelsberg. Stephan Dierichs, geboren 1959 in Weimar, Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspiel Ernst Busch in Ost-Berlin. Zahlreiche Theater- und Film-Engagements. Mehr Infos unter: www.weinlesung.de Wie es bei jedem Handwerk so ist: man lernt im Laufe der Jahre etwas dazu, man…

  • Deutschland-Ticket (VII)

    Deutschland-Ticket (VII)

    Die wichtigste Fähigkeit von Künstlern und Journalisten ist Pünktlichkeit. Wer es nicht schafft, deutlich früher bei einer Veranstaltung zu sein, hat in diesen Berufen keine Chance. Mag er auch in anderer Hinsicht glänzen. Heute hätte es mir zum ersten Mal in fast 30 Berufsjahren passieren können, dass ich unpünktlich zu einem Termin komme. Trotz gewohnter…

  • Deutschland-Ticket (VI)

    Deutschland-Ticket (VI)

    Unter den Linden: Ein Blumenmeer vor der russischen Botschaft. Für Alexej Navalny, der gerade in Russland beerdigt worden ist. Ein paar Schritte weiter halten Ukrainer nach zwei Jahren tapfer weiter die Stellung. Auch sie drücken durch ihre Präsenz mit Bildern, Flaggen und Kerzen eine Anklage aus. Worte sind nicht nötig. Im Gegensatz dazu steht die…

  • Deutschland-Ticket (V)

    Deutschland-Ticket (V)

    Abendlicher Spaziergang zum Prenzlauer Berg. Vorbei an der kleinen Synagoge an der Brunnenstrasse, auf die im Oktober ein Anschlag verübt wurde. Polizei, Absperrung. Vor uns in der Dunkelheit geht ein orthodoxer Jude mit Hut, der vermutlich gerade die Schabbath-Feier verlassen hat. Kommt mit dem Älterwerden die Gelassenheit? Oder lässt einfach die Kraft nach, um sich…

  • Deutschland-Ticket (IV)

    Deutschland-Ticket (IV)

    Die Ereignisse ziehen an mir vorbei wie ein Karussell: Ausstellungen auf der Museumsinsel oder im Stabi Kulturwerk, Gespräche mit Künstlern, Veranstaltungen wie ein Abend mit Berlins Kultursenator Joe Chialo in religiösen Einrichtungen. Mit oder ohne Polizeischutz. Ich bin inzwischen auch in Leipzig gewesen, wenn auch nur kurz. Vor fast zehn Jahren war ich zuletzt hier.…

  • Deutschland-Ticket (III)

    Deutschland-Ticket (III)

    Es war Sonntag, der Zug hatte keine Verspätung – nur die Heizung im Abteil war ausgefallen. Gratis Tee oder heiße Schokolade? Ich entschied mich für letzteres. Am Hauptbahnhof Bonn lagen einige Obdachlose wie Leichen in der Unterführung zwischen den Gleisen. Eng aneinander geschmiegt. Die Leiber sporadisch bedeckt. Nur der Uringestank verriet, dass sie noch am…

  • Fragen und Maximen

    Fragen und Maximen

    Es ist gut, dass in der Bundeskunsthalle in Bonn Immanuel Kant gewürdigt wird. Anlass ist sein 300. Geburtstag im April. Lange Zeit ist der Philosoph aus Königsberg von religiösen Menschen mit Skepsis oder offener Ablehnung behandelt worden, dabei wird in der Ausstellung, die auf digitale Gimmicks verzichtet, sehr deutlich, dass Aufklärung und Metaphysik sich nicht…

  • Deutschland-Ticket (II)

    Deutschland-Ticket (II)

    Die Tage werden heller und wärmer. Hin und wieder bin ich begleitet von meinem jüngeren Selbst die Schönhauser Allee entlanggegangen oder die Oranienburger Straße zu den Hackeschen Höfen. Viele Gesichter habe ich gesehen, Häuserfassaden, die sich verändert haben, Läden, die hip und austauschbar wirken. Ich war in U-Bahn-Wagons unterwegs, die mir noch schmutziger schienen, als…