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Tagebücher und Notizen
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Der Schuster von Grochów
Er ist nicht mehr da: der Schuster in meinem Viertel in Grochów, zu dem ich in den vergangenen Jahren gelegentlich meine Schuhe brachte. Meistens im Herbst, wenn das Wetter rauer wurde und die Lederschuhe eine Auffrischung brauchten. Der Laden, in dem der große, alte Mann mit dem grauen Haarschopf die Schuhe winterfest machte, steht leer.…
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Deutschland-Ticket (XIV)
Schließlich habe ich mir doch ein Deutschland-Ticket besorgt. Beim Kartenschalter am Alexanderplatz. Der Mann, der es mir ausgehändigt hat, stammt aus Nigeria. Als ich ihn auf Widersprüche bei meiner Anschrift aufmerksam machte (die Meldeadresse stimmte noch nicht mit der neuen Anschrift überein), ließ er die rechte Hand lässig zusammenklappen, um meine Bedenken zu zerstreuen. „Das…
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Refugium des Schreibens
Die Weiten der Uckermark wirken wie ein grüner Teppich, auf dem sich Pferde, Katzen und Vögel vergnügen. Menschen sieht man hier weniger, doch der Mann, den ich besuche, hat sich ganz bewusst hierhin zurückgezogen. Er wollte nicht länger in Berlin leben, „wie ein Schwein, das sich an der Eiche reibt“. Sein Haus am See ist…
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Verlassene Pietà
Ich stand ihr stets mit einer gewissen Kühle gegenüber. Mit innerem Abstand. Auch mit äußerer Distanz. Ich mochte es nicht, wenn sie mit mir über die Schule, Bücher und das Weltgeschehen sprechen wollte. Wenn sie mich bewunderte oder in ihrer Absicht zu formen versuchte. „Lehrer wäre ein guter Beruf für Dich.“ Was ich spürte, war…
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Deutschland-Ticket (XIII)
Lang ist es her, dass ich in Weimar war. Nun bin ich auf dem Weg zur Sonderausstellung „Bauhaus und Nationalsozialismus“. Der Andrang von Journalisten bei der Eröffnungspressekonferenz ist riesig. Ich finde einen Platz neben einem Mann im mittleren Alter, der sich als Korrespondent des „Guardian“ herausstellt. Ich deute eine andächtige Verbeugung an. Seit mir eine…
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Melancholie des Pendelns
Ich habe versucht, die Uhr anzuhalten,um bei Dir bleiben zu können. Die Zeiger an der Wand gab ich der Katze zum Spielen. Die Batterien warf ich in den Fluss. Den Strom stellte ich ab. Das schenkte uns ein paar Stunden, doch wir wussten, wann der Zug abfährt. Wir konnten es nicht verdrängen. „Bleib‘ hier“, sagtest…
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Warszawa, mon amour
Weiße Jeans, schwarzes T-Shirt und graumeliertes Haar. Der Mitreisende im Berlin-Warszawa-Express mit dem kolossalen Silberkoffer erinnerte mich an einen in die Jahre gekommenen Rockstar, und als wir ins Gespräch kamen, zeigte sich, dass er auch so lebte. Er sei vor ein paar Tagen von Houston nach Heathrow geflogen, dann habe er ein Treffen mit seiner…
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Deutschland-Ticket (XII)
Am Hauptbahnhof Rostock gehe ich die Treppe herunter, dann weiter zum S-Bahn-Gleis. Ich bin nicht der einzige Stadtflüchtling: Paare, Familien mit Kleinkindern, Senioren. Ein Mädchen, das wie der junge Boris Becker mit Zöpfen aussieht, spielt mit ihrem glatzköpfigen Vater. Ich blicke aus dem Fenster: Warnemünde Werft. Elf Jahre bin ich hier nicht gewesen. Anfang der…
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Romantisch, aber deutsch
Was mich an den Bildern von Caspar David Friedrich am meisten überrascht, ist ihre schlichte Existenz. Es gibt sie wirklich: „Mönch am Meer“, „Abtei im Eichwald“ oder „Mondaufgang am Meer“. All die Hits, die ich seit Jahrzehnten kenne. Jetzt in der Alten Nationalgalerie stehe ich ihnen vis-a-vis gegenüber. Inmitten emsiger Betriebsamkeit und Anspannung haben wir…
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Joseph und Joseph
Ist Joseph Beuys wirklich von Krim-Tataren nach einem Flugzeugabsturz im Zweiten Weltkrieg gerettet und gepflegt worden? Die Aura eines Schamanen umgab ihn. Ohne den Einfluss der Schriften von Rudolph Steiner, Goethe und Novalis lässt sich sein Werk, die Plastische Theorie nicht verstehen. Während ich durch die „Joseph Beuys. Sammelausstellung“ im Hamburger Bahnhof laufe, muss ich…